Was prägt China bis heute? Diese Frage führt weit zurück. Schon vor über 3000 Jahren entstand die Vorstellung, dass ein Herrscher nur dann legitim regiert, wenn er das „Himmlische Mandat“ (天命 tiānmìng) besitzt. Verliert er die Tugend, verliert er den Himmel und damit die Macht. Dieses uralte Prinzip ist kein museales Relikt. Es wirkt bis heute fort, als innerer Kompass einer Kultur, die sich selbst über Jahrtausende als Mitte der Welt verstand.
Auf den langen Aufstieg folgten tiefe Wunden: die Niederlagen der Opiumkriege, die Demütigungen durch europäische Mächte, das „Jahrhundert der Schmach“. Der „Chinesische Traum“, der seit gut einem Jahrzehnt als kulturelle Leitidee durchs Land getragen wird, ist die Antwort auf diese Erfahrungen: die Rückbesinnung auf alte Größe, die Wiederbelebung der eigenen Tradition, die Heilung historischer Verletzungen. Wer dieses Narrativ kennt, blickt anders auf das Land und auf die Bilder, die in Europa von ihm kursieren.
Begleiten Sie uns auf einen Streifzug durch 4000 Jahre chinesische Geschichte. Vielleicht erscheint Ihnen das Reich der Mitte danach weniger fremd und ein Stück verständlicher.